Tag 4 – Orchha
Um 9:54 Uhr haben wir Gwalior zum Glück wieder verlassen. Vielleicht hätte mir die Stadt besser gefallen, wenn das Hotel nicht so gruselig gewesen wäre. Im Grace wurde wohl ein Fest oder vielleicht auch nur ein Gelage gefeiert. Irgendwann in der Nacht fing es an ruhiger zu werden. Geschlafen habe ich kaum, weil ich mich dort einfach nicht wohl gefühlt habe. Noch eine Nacht hätte ich dort nicht verbracht, da hätte ich lieber auf einer Bank im Bahnhof übernachtet. Ok, abgehakt.
Nach einer ca. einstündigen Zugfahrt sind wir in Jhansi angekommen. Der Service im Zug war genau so gut wie am Tag vorher, die “Hardware” aber eine Version älter. Was bei mir so ein “Darjeeling Limited” Gefühl hervorgerufen hat.
Mit uns in der Reihe saßen drei nette ältere InderInnen. Das erste Mal hat mich jemand einfach so nur nett angelächelt und nicht neugierig beäugt
. Ich nehme es den Menschen nicht übel, sie sind halt neugierig auf alles “nichtindische”, aber es kann auch ganz schön anstrengend sein so im Fokus zu stehen. Zumal im Moment nicht wirklich viele westliche Touristen hier unterwegs sind. Der Terroranschlag in Mumbai hat doch seine Auswirkungen.
In Jhansi am Bahnhof haben wir uns ein Tuk Tuk eingefangen und sind nach Orcha gefahren. Ein nettes kleines Örtchen mit ca. 8.500 Einwohnern. Richtig erholsam nach Delhi und Gwalior. Im Ganpati haben wir dann ein Zimmer bekommen. So ein nettes Backpacker-Hotel . Hat mir auf den ersten Blick gefallen (das auch anderen gut gefallen hat, wie man hier lesen kann). Schön angelegt mit einem kleinen begrünten Innenhof um den die Zimmer auf 2 Stockwerken verteilt sind. Man kann von dort über einen Seitenarm der Betwa auf die Festung schauen.
Nach der Ankunft sind wir erst mal etwas essen gegangen – Top Roof -, auch hier waren wir so ziemlich die einzigen Gäste. Tut mir schon etwas leid für die Leute, die vom Tourismus leben (auch wenn man als Touri aufpassen muss, nicht übervorteilt zu werden). Hinterher haben wir uns auf in die Festung gemacht. Strahlender Sonnenschein, ca. 27°C. Mir zu warm um hunderte von Treppen rauf und runter zu trappeln. Schon mal gar nicht in den Flip Flops, in denen ich, wegen einer fetten Blase am Fuß, unterwegs war. Ich hätte doch meine ausgelatschen Sneakers mitnehmen sollen. Eine sehr nette Inderin sah das Dilemma und bot uns an, mir eine Salbe die hätte zu geben, aber mein Reisebegleiter hat dann aus einer dieser “Garagenapotheken” was gekauft. Damit schmiere ich jetzt fleißig meine Blase ein und hoffe, dass es hilft. Aber ich schweife schon wieder ab…
Da ich nicht treppenklettern wollte, sind wir über das restliche Festungsgelände gelaufen. Ich war überrascht, wie weitläufig es war. Hat auf den ersten Blick gar nicht so ausgesehen. Es gibt dort auch einen Frauengarten. Schade, dass man nicht mehr sehen kann, wie das aussah, als es noch “in Betrieb” war. Jetzt ist alles sehr trocken und man muss schon seine Phantasie spielen lassen. Davon habe ich zum Glück jede Menge.
Hinterher brauchte ich erst mal eine Pause. So von Ort zu Ort zu hoppen kann ganz schön anstrengend sein. Mein Mitreisender ist während dessen zum Rasieren gegangen. Wobei ich da sehr gerne mitgegangen ist, aber leider ist das – wie so vieles in Indien – Männersache.

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