Tag 3 Teil II – Gwalior Fortsetzung
18:14 Uhr wieder bei “Grace”. Bin ich platt. Der Tuktuk-Fahrer hat uns zur Ostseite (Gwalior Gate) der Festung gefahren, die den längsten und steilsten Aufstieg hat und nur zu Fuß zu “erklimmen” ist. Vielen Dank auch. Jeder Reiseführer rät einem zum umgekehrten Weg. Bin fast gestorben bis ich oben war. Sehr zur Belustigung der “Ureinwohner”. Musste ich durch. Habe ich auch geschafft. Ha! Die Belohnung war ein Rundumüberblick über Gwalior. Ca. 900.000 Einwohner, hätte ich nicht gedacht. Dabei hatte ich mich so darüber gefreut, aus dem Moloch Delhi, mit seinen Abgasen und dem Verkehrschaos, rauszukommen. Hier sind es Millionen von Tuktuks und Mopeds und jede Menge Staub. Hust.
Egal. Viel gelaufen, die Blase am Fuß freut sich. Die Lunge auch. Aber das “etwas” ölige Mittagessen ist wieder abgearbeitet.
Die Festungsanlage ist ca. 3 km lang und bemerkenswert sind die türkisfarbenen Fliesen, die noch überall an den einzelnen Gebäuden zu sehen sind. Auf dem Festungsgelände befinden sich mehrere unterschiedliche Tempel. Wir trafen zuerst auf den Schwiegermutter- und den Schwiegertochtertempel, die Sas-Bahu-Tempel. Gebaut wurden sie zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert. Der Schwiegermuttertempel ist Vishnu gewidmet und ist der Größere. Auch sind die mit Ornamenten verzierten Säulen im Innenraum prächtiger als beim Schwiegertochtertempel, der Shiva gewidmet ist.
Als wir weiter gingen, gesellte sich ein kleiner Inder zu uns, der sozusagen den Part des Reiseführers übernahm. Mein Begleiter erwähnte mit keinem Wort, dass er selber Guide ist
. Der Kleine war echt putzig und sprach bemerkenswert gut Englisch, nahezu akzentfrei. Auf dem Weg zum Urvai Gate an der Westseite der Festung, kommt man an einer Privatschule vorbei, die sich auch auf dem Festungsgelände befindet. Als ich so die Schulgebäude, Kricketfelder und die Häuser der Lehrer (überwiegend – wenn nicht sogar nur – aus der Brahmanenkaste und mit Namen Sharma) sah, erinnerte mich das doch an den ein oder anderen Bollywoodfilm.
Kurz nach der Privatschule findet man auf der linken Seite den 30 m hohen Pratihara-Tempel aus dem 8. Jahrhundert. Er ist das älteste Bauwerk auf dem Gelände und ebenso wie der Schwiegermuttertempel Vishnu gewidmet. Interessant auch, dass die Briten ihn während der Kolonialzeit zu einer Sodafabrik und einem Café “umfunktionierten”. Das kommentiere ich jetzt mal nicht…
Direkt gegenüber geht ein Weg zu einem Sikh-Tempel, den man durch die Bäume sehr schön sehen kann. Weiß mit vergoldetem Dach. Schon beeindruckend, wenn man das so in der untergehenden Sonne funkeln sieht. Dieser ist dem Sikh-Volkshelden Guru Har Gobind gewidmet.
Wir sind danach ein paar relativ steile Treppen runtergestiefelt und waren dann auch bald am Urvai Gate angekommen. Dort hätten wir zwar ein Taxi für die Rückfahrt nehmen können, allerdings wären mir dann die beeindruckenden, Mitte des 15. Jahrhunderts in den Fels gehauenen, Skulpturen entgangen. Sie zeigen die sogenannten “tirthankars”, die 24 jainistischen Lehrer [Link Jainismus]. Bilder in dieser Galerie ab Bild 46_gwalior. Die größe Figur mißt ca. 17 m. Ich bin sehr froh, dass die Fotos einigermaßen was geworden sind, da die Sonne fast untergegangen war.
Das war also Tag 3. Mal sehen, was uns noch so erwartet.

Juni 29th, 2009, 19:26
wo hast du in Gwalior gewohnt ?
Gruß Jonathan
Juni 29th, 2009, 19:53
Hi Jonathan,
das Etablissement heißt Grace, aber es war weder liebreizend noch anmutig
LG, Tina